Auf dieser Seite finden Sie eine schöne Metapher über die Inseln der Psychischen Störungen. Mit dieser kleinen Geschichte lässt sich auf kreative Weise das Wissen zu psychischen Störungen leicht lernen.
Wir möchten Sie einladen, diese Geschichte mit zu entwickeln, indem Sie Teile kopieren und verändern oder neue Teile hinzuschreiben können. Bitte verwenden Sie dazu das unten stehende Formular. Vielen Dank und viel Spaß beim Lesen.
Stellen Sie sich vor, Sie begeben sich als Therapeut/in auf eine kleine Reise zu See. Sie wählen sich Ihr Boot oder Schiff aus. Vielleicht ein kleines Segelboot oder ein großer Dampfer? Vielleicht sind Sie auch abenteuerlustig und wählen sich ein Floß? ...
Wählen Sie bitte aus, welches Gepäck Sie an Bord mitnehmen möchten. Welche therapeutische Techniken, welches Wissen kann Ihnen behilflich sein, wenn es um eine Reise zu den Inseln der Psychischen Störungen geht?...
Dann möchte ich Sie einladen, Ihre Reise zu beginnen und sich eine Insel auszusuchen, vielleicht ist es ja die “Insel der Affektiven Störungen”. An dieser Insel angelegt, kommen Ihnen Menschen entgegen, die verzweifelt und niedergeschlagen wirken. Sie berichten Ihnend davon, keine Lebensfreude zu haben und nicht mehr richtig schlafen zu können.
Diese Menschen möchten von Ihnen wissen, ob Sie Ihnen nicht helfen können und Sie sagen: “Einen Teil von Ihnen bestimmt.” Ein anderer Teil, der bei dem (vielleicht) auf den T-Shirts steht ‘somatogene Ursache’ muss leider auf das Boot der Mediziner warten, dass (auf Ihren Wunsch) bald anlegen wird. Sie wissen, diese Menschen mit somatogener Depression dürfen Sie nicht behandeln, da hier nicht Psychotherapie wirkt. ...
Plötzlich kommt Ihnen auf dieser Insel jemand entgegen, der sich deutlich von den anderen Menschen abhebt: Er ist besonders euphorisch, redet ohne Punkt und Komma und scheint über ein sehr gutes Selbstwertgefühl zu verfügen. Verkehrt herum trägt er eine Basketballkappe auf der steht: “MANIE”. Sie wissen, dieser Mensch möchte gar nicht von Ihnen behandelt werden, dennoch kann es notwendig sein, dass er Hilfe in Form von Medikamenten erhält, da er sonst vielleicht (aus Versehen) eigen- oder fremdgefährdet wird. Also wissen Sie, da wird wahrscheinlich bald das Pharmakologische Boot anlegen, wenn nicht gar das Rettungsboot, wenn es akut wird. ...
Auf meiner weiten Reise durchs Meer der psychischen Störungen erkannte ich in der Ferne eine riesige Insel mit zahlreichen Einbuchtungen wie Arme. Beim Näherkommen sah ich das geschwungene Schild, das die Einfahrt am großen Haupthafen überspannte. Es beschrieb sie in traurig anmutender Schwarzweiss-Schrift als ,,Schizophrenie-Insel“. Es stimmte also: Wohin man auch auf dieser Welt kommt, für ein Prozent aller Männer und Frauen gleich welcher sozialer Schicht ist sie Schicksal.
Welche Erkenntnisse bringt mir diese Insel? Vorbei sind die schönen erholsamen Stunden bei blauem Himmel und ruhiger See nach den doch bedrückenden Erlebnissen auf der ,,Affektiv-Insel". - Danach trennte ich mich von meinem Mediziner-Freund. Solche Zeiten des Alleinseins brauche ich. Gut, es gab auch Zeichen der Hoffnung dort: Bei unserem gemeinsamen Weg über die Insel, als wir die kleinen, an den Berg gedrückten, dunklen Häuschen mit den depressiven Menschen betraten, denen ich in ihrer Hilf- und Mutlosigkeit zusprechen durfte, und mein Freund Dr. Pill ihnen Antidepressiva verordnete. Leider wirkten diese erst kurz vor unserer Abreise nach etwa drei Wochen. Ein Trost war, dass sie bei all ihren unangenehmen Nebenwirkungen nicht süchtig machen. Meine unterstützenden/supportiven Interventionen brachten bei den niedergedrückten Bewohnern erste Aufhellungen ihres Gemüts und körperliche Aktivität. Um so froher waren wir bei unserem Gang weiter zur Spitze des Eilands über das, was wir dort sahen. Dort schien eine andere Welt zu sein, die Insel aus zwei verschiedenen Bewohnern zu bestehen: Hoch an einem Mast hing ein Mensch, der uns schon von weitem überschwänglich begrüßte und dabei waghalsige Kunststücke vollführte. Ich war sofort mit ihm begeistert über soviel Lebensfreude! Das war Leben pur! Dr. Pill legte gleich beschwichtigend seinen Arm auf meine Schulter, als wäre er Sherlock Holmes und ich Dr. Watson, und wies mit seinem weit ausgestreckten anderen Arm auf die stark zerfetzte im Wind flatternde Fahne mit der gerade noch zu erkennenden Aufschrift ,,Manie-Land". Das ernüchterte mich sofort. Das war kein Frohmut - das war kranker Übermut! Mein Freund meinte, da helfen im Moment Pillen wenig, dafür hat dieser Mensch keine ,,Krankheitseinsicht". Er wird aufs Rettungsboot warten müssen. Über all jene Episoden, die diese Inselmenschen phasenweise erleben (müssen?), dachte ich auf meiner Reise nochmal nach und las auch in meinen Büchern darüber.
So wußte ich einiges über die ,,Schizophrenie-Insel", an der ich nun anlegte, Bescheid. An Land standen einige Schilder, die Orientierung geben sollten. Orientierung? War das Kennzeichen der Schizophrenie nicht gerade das Gegenteil? Las ich denn nicht gerade, dass die Hauptsymptome aus - Persönlichkeitsverfremdung, - Persönlichkeitsspaltung - und all das mit den Stimmen, die kommentieren oder Befehle geben, bestehen!? Mein erster Gang wird in eine Buchhandlung sein und mir das Buch von Dr. Jekyll und Mr. Hyde kaufen - ein bisschen Entspannung zu all den bedrückenden Erfahrungen und dem Lernen muss ja auch mal sein. Wie ich vor kurzem noch in einem Magazin, das gerne Psycho-Themen beschreibt und darüber aufklärt, las, beschreibt diese Story von Stevenson exakt die ,,Persönlichkeitsspaltung". Nein, diese Tafeln konnten eigentlich nur für Touristen der Insel sein. Ja, so war es. Sie wiesen auf ein Jubiläum hin: Genau vor 100 Jahren - 1907 - ,,erfand" der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler den Begriff ,,Schizophrenie". Gut, dass ich das Schild, das auf die Besonderheiten der Insel hinwies, studierte. Wieder was gelernt, lernen kann doch schön sein - dabei meinte ich, dass Bleuer nur den Begriff ,,Tiefenpsychologie" geprägt hatte. Was ist denn jetzt....was hat denn nun der ,,Tiefenpsychologe“ Sigismund Freud ,,erfunden", über den alle so herziehen, dass es nur Quatsch wäre, alle anderen ihn aber in den Seelenhimmel heben!? Lernen kann auch verwirrend sein! Doch jetzt bin ich mal auf der Schizophrenie-Insel und da will ich mich auch umsehn. Es ist sicher anstrengend genug.
Nach dem Buchhandlungsbesuch erkunde ich dann die Insel, die aus vielen weit ins Psychomeer ragenden Armen besteht. Hoffentlich verwirrt es mich nicht auch so, wie deren Bewohner. Ich liebe sehr die Klarheit und Eindeutigkeit. Doch damit fängts ja schon in der Psychologie an...datt iss nich immer so, nää. Nä, nich.... will nicht ,,Tegtmeiern" - kennste den überhaupt noch? Kommen wir zurück zum Ernst des Krankseins. Zuvor lassen wir maln Joke von Jürgen von Manger raus (der Vater von Tegtmeier, der auch ernsthaft studiert hat): ,,Schönheit ist heilbar".
Und wie heilbar ist der ,,schizophrene Formenkreis"? Natürlich habe ich auch auf der entferntesten Insel meinen Laptop dabei, und schlage bei Wiki nach. Mir ist da auch die ,,Drittelregel" noch in Erinnerung. Haste doch auch schon mal was von gehört, ja. : Eine konsequente Therapie, die möglichst früh beginnt, hat die Prognose der Erkrankung verbessert. Vereinfachend lässt sich sagen, dass sich bei etwa einem Drittel der Patienten die Erkrankung komplett zurückbildet, und zwar sowohl bei Betroffenen, die einer medizinischen Behandlung unterliegen, wie auch bei solchen, die ihre Krisen in ihrem nicht-medizinischen sozialen Umfeld durchleben; bei einem weiteren Drittel kommt es zu Residualsymptomen (soziale Isolation, Hygieneverlust, Sprachverarmung) und zu erneuten akuten Schüben. Bei einem Drittel kommt es zu schweren chronischen Verläufen, bei denen erhebliche psychosoziale Einschränkungen bleiben und die Betroffenen dauerhaft betreut werden müssen.
Bei meiner Wanderung über die weitläufige Insel bin ich jetzt an einem Wegkreuz angekommen, das mit verschiedenen holzgeschnitzten Fingern auf die Ausläufer hinweist. Gut, dass es nur einige prägnante Hinweise sind. Ich werde sie alle erwandern. Ob mich das nicht auch vulnerabel macht? Ja, auf der Insel der Affektiven konnte ich mich gut einfühlen. Da war auf einmal meine Angst wieder da. Etwas, was ich auf dieser Insel als nicht vorherrschendes Symptom anzutreffen vermute. Komm mach mal mit mir meine Inselwanderung...wohin sie auch führt. Immer noch stehe ich vor der Wahl zu welchem Weg ich mich entschließen soll. Ein Spaßweg wirds sicher nicht. Wer hat denn solch einen Weg ersonnen? Da stehts ja, die Wege haben noch zusätzlich nach ihrem Initiator einen Namen, wie Charcot, Kraeplin, Bleuer, K. Schneider, den letzten kann ich leider nicht lesen....ist schon uralt-verwittert - irgendwas von Multifaktoriell… Weil ich glaube, von mir am meisten zu wissen - von Manfred Schneider - erhoffe ich mir, mit meinem berühmten Namensvetter Kurt Schneider irgendwie verbunden zu sein. Wie unwissenschaftlich, dabei bewegen wir uns doch auf dem Gebiet der Empirischen Psychologie oder hats vielleicht mit C.G. Jungs ,,kollektivem Unbewußten" was zu tun. Schaun mer mal.
Das ,,Triadische System scheint mir auch die geradlinigste Verbindung in dem ganzen Gewirr von Psychose-Dschungel zu sein. Sowas alles im Leben zu bedenken und zu beachten, kann einem schon zu schaffen machen. Let's go. Zuerst verlief mein Weg ziemlich eben und auch geradeaus. Am Saum blühte gerade die hellblaue Gemeine Wegwarte - gemein, warum nicht Rosen. Ahja, haben ja auch Dornen. Nach einer Biegung fand ich fast plötzlich eine verwitterte angefranselte Platte an einem schon etwas wackeligen Pfosten (kein Wunder...steht ja auch schon 70 Jahre dort, und mancher hat daran schon gerüttelt) mit folgender Aufschrift, die mir als eine Einteilung vorkam: TRIADISCHES SYSTEM = - Organische Psychosen - Endogene Psychosen - Psychogene Psychosen (Neurosen, Reaktive Depressionen - kennen wir doch von der anderen Insel, - Persönlichkeitsstörungen). Von da ab war der Lernweg mit vielen kleineren Schildern bestückt. Schließlich wollen wir ja auch viel über die Inselbewohner und deren ,,abnorme Erlebnisweisen", wie Kurt Schneider es benennt, wissen, damit wir Therapeuten ihnen auch aus ihrer Not helfen können. Fällt mir bei meinem hilfesuchenden Blick in den so schönen wolkenlosen blauen Himmel mit den Sturzflug übenden Möven (ist Jonathan dabei?) - wie Schönheit und Krankheit doch so dicht beieinander sind - ein Text von Dr.Dr. Herbert Mück auf seiner Homepage wieder ein : ,,Metaanalysen belegen, dass Patienten mit Schizophrenie davon profitieren, wenn sie ergänzend zur medikamentösen Behandlung auch Psychotherapie erhalten. Deren Hauptziel ist es, den Betroffenen Strategien zur Bewältigung ihrer Erkrankung zu vermitteln und damit zur seelischen Stabilisierung beizutragen." : Hört sich gut an. Doch als geborener Skeptiker wäre ich noch froher für die Betroffenen und mich, wenn jetzt am Horizont der Hoffnung das Boot meines Freundes Dr. Pill erscheinen würde. Er könnte seine alte, lederne Doktortasche mit der Messingschliesse aufmachen, die Neuroleptika aus dem Röhrchen schütteln und mit souveräner Miene sagen ,,Nur ruhig mein Freund", zuerst mal die Grundbehandlung, damit Du überhaupt erst unterstützen kannst!" Skepsis (s. oben), Ablehnung und Unbehagen prägten bisher meine Meinung dazu. Heute weiss ich, dass es mehr meine Unwissenheit war. Dabei mag ich Elektrokrampftherapie immer noch nicht...Das ist aber eine andere Insel. Hört sich auch ein bißchen nach Beck und Ellis (RET) an. Es gibt noch viele Psycho-Inseln zu erfahren.
Damit ich nicht von einer Insel zur anderen Insel hüpfe (Du siehst die Grenzen zum sog. Normalsein fließen...), will ich auch nicht jedes Schildchen auf meinem Weg kommentieren. Doch vermerken will ich doch noch, dass Kurt Schneider die Symptome in 1. und 2. Rang einteilte. In wichtige und weniger wichtige. Jetzt fragst und beklagst Du, dass ich nur von Einteilung(en) geschrieben habe. Treffend bemerkt. Dabei habe ich noch nicht die anderen gestreift, wie Kretschmer, Bleuler u.a. Negativ fällt mir dabei noch auf, dass es auch ,,Positivsymptome" gibt - Negativsymptome auch. Wenn Du darüber was wissen willst, gibts, wie meist im Leben, mindestens zwei Möglichkeiten, entweder Du hoffst, dass der Amtsarzt nicht danach fragt oder Du lernst. Its your turn.
Mittlerweile bin ich am Strand des Ozeans angekommen....ohne gestrandet zu sein, was der Zuversicht Nahrung gibt...man kanns lernen! Was auf den anderen Hinweisen zu lesen war? Na klar, ganz wichtig, die Schizophrenieformen. Wie kannst Du jemandem helfen, wenn Du nicht weißt, was ihm fehlt oder wovon er zuviel hat! Kennste ja, zuerst Anamnese, dann Diagnese... Ich setz mich nieder, lasse meine Beine von den schmeichelnden Wellen umspülen, ziehe sie nach einer Weile wieder raus, bestreiche sie zärtlich mit dem feinen, weichen Sand, und nach einer Zeit wische ich den Sand wieder ab, lasse die etwas klebrig gewordene Haut wieder vom Meer umfluten. Zwischen meinen ausgestreckten Beinen lese ich meinen eigenen Satz: ,,Himmel, ist das Leben (manchmal) schön.“ Gerade spült eine freche Welle den ,,Himmel“ weg. Ein Leben ohne Himmel? Und wenn ich etwas übermütig werde, die ganze Psychoserei ,,verdrängen“ will (=Freud, aber die Tochter), klatsche ich mir mit beiden Händen einen Klumpen halbnassen Sand auf den Bauch, verreibe ihn, mache Bauchpeeling....was für ein irres Gefühl. Wohl, dem Helfer soll es auch gutgehn, damit ihn nicht nur die Helferwelle erfaßt oder der Hilfeversuch in einer pathologischen ,,Folie-a-deux“ endet. Da kann man sich schönere ,,Folien“ vorstellen. Nein, mit dem Bleistift schreibe ich meine Notizen nicht auf, wozu habe ich denn meinen Laptop. Muss nur auf den Sand aufpassen, dass der aufm Bauch liegen bleibt.
Hier nun was über Schizophrenieformen: Charakteristische „Positivsymptome“ sind formale und inhaltliche Denkstörungen sowie Ich-Störungen und zudem motorische Unruhe. Typische inhaltliche Denkstörungen sind Halluzinationen und Wahnbildung. Häufig sind dabei akustische Halluzinationen: Etwa 84 % der an einer schizophrenen Psychose Erkrankten hören Stimmen. Befehlende (imperative) sind dabei selten. Häufig hingegen sind höchst beleidigende, gedankenkontrollierende Stimmen. Diese können aus dem leeren Raum und inmitten von Sätzen, die umstehende Menschen sagen, auftreten. Wie Du recht vermutest, das kann nicht alles sein….da gibt’s noch Unterformen. Und wenn Doktoren vom ,,Formenkreis“ reden (noch nicht mal alle ,,mit einer Zunge“), kannst Du noch mehr erwarten. Erwarte! Die Sonne neigt sich, ein frischer Wind kommt auf, ich gehe zurück zum Hafen, zu den vielen Souvenirläden. Souvenir gleich Erinnerung – ja manche behalten da was zurück. Gute Helfer sind da die Lernschulen, die Institute, Seminare, Buchläden - und hier was von Norman Ehlert: • Katatone Schizophrenie: Hier überwiegen motorische Auffälligkeiten. Die Betroffenen "erstarren" in bizarren Körperhaltungen oder sind besonders unruhig. • Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie: Hier steht im Vordergrund der Wahn (jemand denkt etwas, was andere nicht denken) und die Halluzinationen (jemand sieht, hört oder fühlt etwas, was andere nicht wahrnehmen). • Schizophrenia simplex: Zeichnet sich dadurch aus, dass der Betroffene immer mehr in seiner Leistung nachlässt und Sprachverarmung bekommt. • Hebephrene Schizophrenie: Schizophrenie im Jugendalter (ab 17 Jahre); die Betroffenen verhalten sich läppisch, auffallend distanzlos und sind leistungsgemindert. ....Oder hast Du geglaubt, das hätte mir alles das Meer zugespült….. Tipp: Lies das spannende und interessante Buch von Stevenson und Du kennst die Wahrheit oder wirst weiter über ,,die Wahrheit“ nachdenken. Mit 5,00 Euro bist Du dabei....